Lenneper Schüler besuchen KZ

18 Schüler des Röntgen-Gymnasiums haben fünf Tage im Konzentrationslager (KZ) Buchenwald verbracht. Sie haben in einer ehemaligen SS-Unterkunft geschlafen und gegessen. Am Tag haben sie das Gelände erkundet, auf dem in nur acht Jahren 56.000 Menschen ermordet wurden.

Zurück in der Schule, sprechen die Schüler über eine Kursfahrt, die ihre Perspektive nachhaltig verändert hat. „Was konnten die Nachbarn wissen“, stellt Przemyslaw Piliczuk die Frage, die ihn während der Fahrt umtrieb. „Das KZ ist nahe an Weimar gelegen“, erklärt Pascal Woiczek – „damals eine Hochburg der NSDAP“. Außerdem war die Stadt, bevor der große Verbrennungsofen angeschafft wurde, für die Entsorgung der Leichen zuständig. Pascal Woiczek: „Ein Massenmord, der nicht unbemerkt begangen wurde.“

Die Ideologie stufte die Gefangenen zu Kreaturen ab

Hannah Meier hat die Erkenntnisse erschüttert, dass die Täter gewöhnliche Menschen waren. „Tagsüber haben sie im KZ gearbeitet und abends sind sie zu ihren Familien als liebevolle Väter zurück gekehrt“, sagt die 17-Jährige. „Diese Vorstellung empfinde ich als besonders widerlich.“

Wie kann jemand, zu so etwas fähig sein? „Sie haben ihre Gefangenen nicht als Menschen gesehen“, erklärt Diana Baumeister und erinnert an den Zoo neben des KZs. „Den Tieren erging es besser. Die Insassen waren in dieser Ideologie unwürdiger als Tiere.“

Jane Burghoff ist in Buchenwald einer Geschichte begegnet, die in ihrer Heimatstadt spielt. „Der Remscheider Erich Steinbach war im KZ inhaftiert, weil er als arbeitsscheu galt“, erzählt sie. „Seine Frau schrieb ihm mehrfach. Sie dachte, er sei entlassen worden, dabei wurde er nur verlegt.“ Das Schicksal der Familie möchte sie weiter verfolgen. „Wir werden mehr in Erfahrung bringen. Wenn die Familie Kinder hat, die noch leben, würden wir sie gerne treffen.“

Diana Baumeister stellt sich die Frage, wie 70 Jahre nach Kriegsende, wieder eine gefährliche Fremdenfeindlichkeit in Deutschland aufkeimen kann. „Sogar auf dem Mahnmal in Buchenwald finden sich regelmäßig Hakenkreuz-Schmierereien“ , sagt sie. „Wie kann das sein?“

Den Schülern ist der Besuch in Buchenwald unter die Haut gegangen. „Wenn ich höre, dass jemand gegen Flüchtlinge wettert, werde ich mich einschalten“, erklärt Philipp Lang. Lena Hagenbach hat für sich erkannt: „Es ist wichtig über diese Verbrechen zu sprechen. Die nachfolgenden Generationen sollten Bescheid wissen, und Sorge tragen, dass so etwas nie wieder passieren kann.“

„Dabei sind wir doch alle gleich, egal ob wir zu Allah oder Gott beten.“
Nina Buchholz, Schülerin

Nina Buchholz beängstigt, dass heutzutage Staaten mitten in Europa Vorurteile gegen Andersgläubige schüren. „Dabei sind wird doch alle gleich, egal ob wir zu Allah oder Gott beten.“ Nils Lindermann warnt jedoch davor, in der Flüchtlingsdebatte eine zu einseitige Diskussion zu fahren. „Die Situation ist besonders und natürlich gibt es Bedenken“, sagt der 16-Jährige. „Wenn wir jede Diskussion und jede Angst als rechtes Gedankengut abtun, ist das auch gefährlich.“

Eine Kursfahrt, die aufrührt und bewegt. „Und wirklich viel Spaß gemacht hat“, erklärt Nils Lindermann. „Wir haben gesungen, gelacht und sind zusammengewachsen. Gerade wegen des schweren Themas mussten auch lustige Momente zwischendurch sein.“ Abends haben die Remscheider sich mit einer spanischen Schülergruppe getroffen, die ebenfalls die Gedenkstätte besucht hat. „Wir haben Spiele gespielt und uns ausgetauscht“, erzählt Philipp Lang über eine internationale Freundschaft, entstanden in einer SS-Kaserne, die der schrecklichen Geschichte mit der Lebensfreude einer jungen Generation getrotzt hat.

DIE GRUPPE

SCHÜLER Die Teilnehmer der Studienfahrt besuchen den Projektkurs „Verfolgungsgeschichte(n) in unserer Region“. Statt eine Klausur zu scheiben, erarbeiten sie Projekte, die sie am Ende des Schuljahres vorstellen werden. Auch Bestandteil ist ein Austausch mit der jüdischen Gemeinde in Wuppertal.

LEHRER

Ermöglicht wurde die Fahrt durch die Lehrer Stefanie Pirags und Alexander Gropper.

Quelle: rga-online vom 04.03.2016 - Von Nina Bossy

 

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