Wie Flüchtlingskinder am RöGy lernen

Remscheid. Speziell ausgebildete Lehrer unterrichten am Lenneper Gymnasium seit Schuljahresbeginn zehn Seiteneinsteiger.

Würden alle Kinder und Jugendlichen im Klassenraum gleichzeitig in ihrer Muttersprache reden, wäre ein Stimmengewirr aus unterschiedlichen Sprachen zu hören. Marokkanisches Arabisch, Arabisch, Serbisch, Polnisch und Mazedonisch. Sie alle sitzen in der so genannten Seiteneinsteigergruppe, die das Röntgen-Gymnasium eingerichtet hat, lernen Deutsch und andere Fächer. Einige können ein wenig Englisch und sprechen nur ein paar Brocken Deutsch. Sie sind mit ihrer Familie als Flüchtlinge nach Remscheid gekommen oder zugewandert.

Das Lenneper Gymnasium ist nicht die einzige Schule, die diese Kinder und Jugendliche ohne und mit wenigen deutschen Sprachkenntnissen aufnimmt: 14 von 17 Grundschulen kümmern sich um die Kleinen, außerdem die Hauptschulen Hackenberg, Rosenhügel und Wilhelmstraße - die beiden letztgenannten laufen aus. Nun sind auch andere weiterführende Schulen gefragt.

Hintergrund: Weil für minderjährige Flüchtlinge, die Remscheid nach der Erstaufnahme zugewiesen werden, Schulpflicht besteht, müssen Grund- und weiterführende Schulen sie aufnehmen, fördern und integrieren.

"Wir drei Lenneper Schulen sprechen uns untereinander ab", sagt RöGy-Direktor Matthias Lippert. Die enge Kooperation zwischen Hauptschule Hackenberg, Albert-Schweitzer-Realschule und RöGy macht sich auch hier bezahlt. Denn sein Kollege Dirk Schönwetter von der Hauptschule und sein Team haben bereits Erfahrungen bei der Integration von Seiteneinsteigern sammeln können. "Jeder soll die Chance erhalten, sich adäquat zu entwickeln", nennt Lippert den pädagogischen Leitsatz.

Doch wie funktioniert das im laufenden Schulbetrieb? Die zehn Neulinge im Alter von zehn bis 15 Jahren erhalten jeden Tag Förderung in Deutsch und den Nebenfächern in Kleingruppen.

"Die Hauptfächer haben sie in der Regelklasse", sagt Dominik Mumm. Er ist als Lehrer Koordinator für die neue Aufgabe "internationale Klasse". Wie drei andere Kollegen hat er eine Zusatzqualifikation in "Deutsch als Zweitsprache" erworben. "Manchmal verständigen wir uns mit Händen und Füßen, Gestik und Mimik", erzählt er. Bestenfalls sitzt in der Regelklasse bereits jemand, der die Landessprache beherrscht.

"Die neuen Schüler sind hoch motiviert und wollen lernen, sie nehmen ihre Chance wahr", sagt Lippert. Gleichzeitig lobt er die Offenheit deutscher Schüler gegenüber Gleichaltrigen aus einem fremden Kulturkreis, aus einem anderen Land.

Um den Seiteneinsteigern die schulische Eingewöhnung zu erleichtern, kümmern sich Schüler als Paten um sie. "Es hatten sich viel mehr für diese Aufgabe gemeldet als wir an Seiteneinsteigern hatten", berichtet Mumm. Er gehe aber davon aus, dass weitere Neulinge über das Kommunale Integrationszentrum ans RöGy vermittelt werden.

Quelle: RP-Online vom 02.09.2015 - Von Solveig Pudelski