Briefe für die "Unreinen" (Indien)

(ric/sth/czw). Der Name Remscheid ist mit Wohlklang besetzt im fernen Indien. Er steht für Qualität. Nicht nur bei den Hightech-Unternehmen, die es auf dem Subkontinent prosperieren und die weitreichende Kontakte auch ins Bergische pflegen. Sondern auch bei jenen Menschen, die vom Boom der indischen Wirtschaft wenig bis gar nicht profitieren, den Dalits zum Beispiel. 

Sie bilden die unterste Bevölkerungsgruppe im indischen Gesellschaftssystem, das die Menschen nach Kasten sortiert. Die Zahl der "Unreinen" und "Unberührbaren" wird auf annähernd 160 Millionen geschätzt. Besonders in den ländlichen Gegenden unterliegen sie der Diskriminierung durch die hellhäutigeren Kasten-Inder. Die Dalits bleiben auf der untersten Stufe des Kastensystems, Schulen und Kindergärten gibt es für die allermeisten von ihnen nicht.

In den Dörfern Bhagwanala, Belwa und Shivrampur will die Deutsch-Indische Gesellschaft in Zusammenarbeit mit Remscheider Sponsoren, Kindergärten und Schulen daran etwas ändern: Im Rahmen einer Ausstellung in der Remscheider Stadtsparkasse und einem Benefiz-Konzert im Lenneper Röntgen-Gymnasium soll genug Geld zusammenkommen, um ein bereits erfolgreich laufendes Schulprojekt zu erweitern.

Am längsten zählt das Röntgen-Gymnasium zu den Unterstützern. In Zusammenarbeit mit der indischen Menschenrechtsorganisation "People's Vigilance Committee on Human Rights" suchte die Schule 2006 den Kontakt zu den Kindern der Dalits.

Die Jugendlichen riefen ein "Schüler-Dalit-Team" ins Leben: "Together in friendship für Dalits' rights" nennt es sich. Die Jugendlichen unterhalten Brieffreundschaften. Im April dieses Jahres lernten einige Rögy-Schüler auf einer Reise zudem die Extreme des indischen Subkontinents kennen. Nun arbeitet ihre Schule an einem dauerhaften Austauschprogramm.

Weitere Kontakte auf den Subkontinent unterhalten die Gesamtschule Sophie Scholl und das Leibniz-Gymnasium. Der Förderverein für Interkulturelle Erziehung wiederum unterstützt zwei Kindergärten für die "Unberührbaren". Mit seiner Hilfe wurde ein Kindergarten gebaut.

Menschenrechtler glaubt an den Erfolg internationalen Drucks Diese Unterstützung aus Remscheid sei für die Menschen eminent wichtig, erklärte Dr. Lenin Raghuvanshi, Vorsitzender des "People's Vigilance Committee on Human Rights", bei einem seiner Besuche in Remscheid. 

"Der moralische Rückhalt, den sie durch diese Projekte erhalten, gibt den Menschen dort viel Kraft, so dass sie selbstbewusst für die Verbesserung ihrer Lebenssituation kämpfen können. Und es übt Druck auf die lokalen Behörden aus, den man nicht unterschätzen sollte."

(Quelle: rga-online vom 16.09.2011)