Theater: Lieber „Twilight“ als „Götterdämmerung“!

Von Mark  

Große Konzerte und Festivals sind cool. Aber wer geht schon ins Theater? X-ray zog aus zur Sponti-Befragung …

Wenn das Remscheider Teo Otto Theater bis auf den letzten Platz gefüllt ist, muss was los sein. Und so war es gestern: Fast 600 Mäd-chen und Jungen aus Englischkursen mehrerer Oberstufen hatten dort Unterricht: „One language – many voices“ wurde vom TNT Theatre Britain gespielt. Es ging um vier Geschichten in englischer Sprache, die von den Konflikten zwischen Briten und jenen Nationen handeln, die bis zu 250 Jahre lang von der ehemaligen Kolonialmacht unterdrückt wurden (mehr dazu auf Seite 17).

X-ray interessierte nicht das Stück, sondern die Gunst der Stunde, so viele Jugendliche im Theater anzutreffen: Wer von denen geht überhaupt ins Theater, wenn es nicht gerade ein Schultermin ist?

„Dass man sich im Theater etwas mit Freunden zusammen anschaut, passiert so gut wie nie. Es sind am ehesten die Eltern oder andere Verwandte, wo man dann einfach mitgeht“, ist Melis (16) vom Lenneper RöGy ehrlich. Zwar hat sie schon häufiger Plakate, etwa für symphonische Konzerte, gesehen, „aber das weckt nicht wirklich mein Interesse.“ Melis ist sich sicher, dass Veranstaltungen mit einer jugendlichen Sprache und Machart mehr Altersgenossen ins Theater locken würden. „Wie wäre es zum Beispiel, wenn man bei uns beliebte Kinofilme oder Bücher auf die Bühne bringen würde? Wieso nicht mal „Twilight“ als Theaterstück? Ich glaube, das käme bei vielen Jugendlichen an.“

Joana (16), ebenfalls vom RöGy, ergänzt: „Ganz viele von uns kennen das Teo Otto Theater oder auch das WTT Remscheid. Aber was dort geboten wird, dringt nicht bis zu uns durch. Wer besorgt sich denn schon einen Spielplan oder schaut gezielt im Internet nach?“ Joana meint, es müsse eine bessere Bewerbung der Veranstaltungen her, denn: „Ist doch schade, wenn so wenige von uns ins Theater gehen. Denn die Tickets für Jugendliche sind mit vier bis acht Euro gar nicht teuer.“

„Mehr Brecht, Dürrenmatt, Stücke aus der Nachkriegszeit oder auch die alten, klassischen Dramen – so etwas müsste häufiger gespielt werden“, findet Simon (17) vom GBG in Remscheid. Immer nur modern, modern, modern muss es für ihn nicht sein. Marius (16), ebenfalls vom GBG, meint: „An den relativ günstigen Preisen für die Jugendtickets kann es nicht liegen, dass nicht sehr viele von uns ins Theater gehen. Mich jedenfalls spricht das Programm nicht an.“

Dann traf X-ray noch drei Schüler vom Städtischen Gymnasium Wermelskirchen. Alexander (18) geht sonst nie ins Theater. Seine Begründung: „Das Kino ist eine zu große Konkurrenz. Filme sind für mich interessanter, mitreißender und auch besser zu verfolgen.“ Bei Lorena (17) ist das ganz anders: Sie geht fünf bis sechs Mal im Jahr in unterschiedliche Theater. Ob Goethes „Faust Teil 1“, moderne Stücke wie „Kein Licht“ von Elfriede Jelinek, Komödien wie „Charlies Tante“ oder ganz neue Produktionen wie „100 Prozent Kön“ – Lorena schaut sich vieles an und ist „auch meistens begeistert. Es gibt eine Menge Theater-Aufführungen, die für Jugendliche interessant und sehenswert sind. Aber es ist wie bei anderen Dingen auch: Wer sich nicht aktiv dafür interessiert oder nicht eingeladen wird, der bekommt auch kaum etwas mit.“

Felix (18) sagt: „Mein Patenonkel hat mich mal zur Blue Men Group mitgenommen. Das war sehr cool. Wenn mehr Theaterveranstaltungen genauso packend wären, würden auch mehr von uns häufiger ins Theater gehen. Aber es muss einer anbieten …“
 

Quelle: rga-online / Artikel vom: 23.02.2012