Zeitzeugengespräch des Projektkurses über Verfolgungsgeschichten mit Wolfgang Kotek in der Gedenkstätte Alte Synagoge

Gespannte Stille breitete sich in dem kleinen Vorraum der Gedenkstätte aus, als ein grauhaariger, altmodisch gekleideter Herr durch die Tür trat. Eben jener Mann, der aus dem entfernten Holland angereist war, um dem Projektkurs seine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte eines kleinen jüdischen Jungen, der kurz nach der Reichspogromnacht 1938 im Alter von sieben Jahren nach Holland flüchten musste, um dem nahenden zweiten Weltkrieg zu entkommen.

Alte Synagoge

Wolfgang Kotek, so der Name des Zeitzeugen, hatte bereits auf einem Stuhl, gegenüber der kleinen Runde Platz genommen und blickte nun freudig zu uns Schülern.
Nachdem er einige Bilder, die ihn als kleinen Jungen zeigten, beschrieben hatte, begann er, über die eigentliche Geschichte zu berichten.
Sein jüdischer Vater, der einen Konfektionsbetrieb besessen hatte, wurde während der sogenannten ,,Polenaktion´´ deportiert, und Kotek und seine nichtjüdische Mutter blieben allein in Deutschland zurück. Wegen der sich ständig zuspitzenden Gefahr, die für die jüdische Bevölkerung bestand, floh der junge Kotek allein in das weniger gefährliche Holland, wo er bis Kriegsende von Pflegefamilie zu Pflegefamilie wechselte. Doch auch sein Zufluchtsort sollte bald keine sichere Bleibe mehr bieten, denn nach dessen Besetzung von Deutschland wurden auch dort Juden verfolgt, gezwungen, den Judenstern zu tragen und deportiert.
Aber der schlaue Junge hatte sich zu helfen gewusst. Nicht nur durch tückische Überlistungen von Soldaten, die ihm Geleitschutz gewährten, sondern auch durch die Hilfe eines Arztes, der seine Untersuchungspapiere fälschte, konnte Kotek Deportation und Tod entkommen. Und auch die letzte und wohl schwerste Hürde, den ´Hungerwinter´ von 1944 konnte er dank genialer Einfälle überstehen.
Nach dem Krieg studierte er Medizin und erlernte den Arztberuf.

Erstaunte und zugleich beeindruckte Gesichter hatten sich in der Runde ausgebreitet, als Herr Kotek seine Geschichte beendet hatte. Erstaunte Gesichter, weil der betagte Mann trotz schrecklicher Erlebnisse stets die Fassung behalten und sich sogar den ein oder anderen Spaß erlaubt hatte, und beeindruckte, weil er trotz der damalig vorherrschenden Zustände immer das beste aus seiner Situation gemacht hatte, und mit List und Tücke letztendlich sein Leben retten konnte.
Nach einer kurzen Fragerunde und anschließenden Gruppenfotos verabschiedete sich der dankbare Herr Kotek.
Dieses eindrucksvolle Gespräch wird wohl niemand aus diesem Raum so schnell vergessen.

Sophie Klammann, Jahrgangsstufe Q1