Quantenfeldtheorie statt Mallorca-Disco

Die Augen von Mara Terliesner (16) und Sabrina Kalbitz (17) leuchten noch immer vor Begeisterung, wenn sie von ihrer Teilnahme an den Sommerkursen der Deutschen-Schüler-Akademie erzählen. Die beiden Schülerinnen ergatterten in diesem Jahr zwei der begehrten Plätze. Mit ebenfalls sehr interessierten Mitstreitern durften sie 16 Tage lang intensiv an einem Thema forschen und Theorien ausprobieren.

 „Die Gemeinschaft, die man dort hatte, war unbeschreiblich“, erzählt Terliesner. Die Leibniz-Schülerin bewarb sich selber. Die Erzählungen ihrer älteren Schwester Selina, die im vergangenen Jahr an der Sommerakademie teilnahm, machten ihr Lust auf mehr.

Die Entscheidung bereue sie nicht. In Braunschweig vertiefte sie ihr Wissen unter Anleitung von Jungakademikern in der Quantenfeldtheorie – obwohl sie vor zwei Jahren Physik in der Schule abgewählt hatte. „Ich probiere mich gerne aus“, merkt sie mit einem Lachen an. Zu der Teilnahme gehörte auch, dass sie sich vorab mit einem Skript beschäftigte und einen Vortrag vorbereitete.

Sabrina Kalbitz besuchte den Sommerkurs im österreichischen Semmeringen bereits Ende Juni, nachdem sie von ihren Lehrern am Röntgen-Gymnasium vorgeschlagen wurde. Den verpassten Stoff auf der Zielgerade des Schuljahres musste sie in Eigenregie nachholen. Über diese Möglichkeit ist sie sehr dankbar. „Die Leute ticken alle ziemlich ähnlich. Es ist toll, auf Gleichgesinnte zu treffen“, betont Kalbitz, die auch an zwei Camps des „Vereins mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen“ (abgekürzt MINT-EC) sowie der Sommer Uni in Wuppertal teilnahm.

Im Kurs „Abenteuerliche Reise durch den menschlichen Körper in molekularbiologischen und biomedizinischen Dimensionen“ durfte sie tierische Organe sezieren oder Moleküle am PC bearbeiten. Einblicke, die sie im normalen Schulalltag nicht bekommen würde.

Bei Mara Terliesner stand eher die Theorie im Vordergrund. Aus den erzielten Forschungsergebnissen wurde schließlich eine wissenschaftliche Arbeit verfasst. „Das ist ganz anderes als in der Schule. Das hat angespornt“, sagt die angehende Abiturientin.

Nach der Rückkehr sei Terliesner in ein „Akademie-Loch“ gefallen. Der Kurs habe etwas in ihr verändert. „Das hat das Selbstbewusstsein auch im Umgang mit Naturwissenschaften gestärkt“, sagt Thomas Benkert, stellvertretende Schulleiter des Röntgen-Gymnasiums und Mitkoordinator des MINT-EC-Bereichs.

Das hat allerdings auch seinen Preis: Rund 2000 Euro kostet ein Kurs. 600 Euro, dazu zählen die An- und Abreise, müssen die Teilnehmer selbst tragen. Im Fall der beiden Remscheiderinnen hat die Lux-Stiftung diese Kosten übernommen. „Das ist eine Begabtenförderung, die wir gerne unterstützen“, sagt Stiftungsvorstandsmitglied Friedhelm Krämer.

Den ein oder anderen Schüler der Sommerkurse habe er bei der Studentenförderung in den MINT-Fächern wiedergetroffen. Das Netzwerk, das sich durch die Kurse bildet, wolle auch das Röntgen-Gymnasium unterstützen, sagt Schulleiter Matthias Lippert. Inzwischen seien immer mehr Mädchen im MINT-EC-Bereich vertreten und könnten den Jungen das Wasser reichen.

 

Quantenfeldtheorie statt Mallorca Disco

Waren bei Sommerkursen der Deutschen Schülerakademie: Sabrina Kalbitz (links) und Mara Terliesner. Foto: Michael Schütz

 

Quelle: RP-Online vom 22.09.2017 / von Anna Mazzalupi
Foto: Michael Schütz