Studienfahrt nach Buchenwald: Erinnern heißt Verantwortung übernehmen
„Als die Zivilisten immer wieder riefen: ‚Wir haben nichts gewusst! Wir haben nichts gewusst!‘ gerieten die Ex-Häftlinge außer sich vor Wut. ‚Ihr habt es gewusst‘, schrien sie. ‚Wir haben neben euch in den Fabriken gearbeitet. Wir haben es euch gesagt und dabei unser Leben riskiert. Aber ihr habt nichts getan.‘“
(Die amerikanische Fotografin Margaret Bourke-White über den 16. April in Buchenwald; ca. 1000 Einwohner Weimars müssen an diesem Tag das Lager besichtigen.)
Vom 5. bis 10. März befand sich der Q1-PJK „Verfolgungsgeschichte(n) in unserer Region“ auf Studienfahrt in der Gedenkstätte Buchenwald. Die Tage auf dem Ettersberg waren geprägt von intensiven Eindrücken, bewegenden Begegnungen mit der Geschichte und vielen Momenten der gemeinsamen Reflexion.
Nach der Anreise am Donnerstag näherten wir uns am Freitag mithilfe eines Audiowalks ganz individuell erstmals dem ehemaligen Häftlingsbereich des Konzentrationslagers. Am Nachmittag besuchten wir in Weimar das Museum „Zwangsarbeit“. Dort wurde deutlich, wie umfassend das System der NS-Zwangsarbeit in den Alltag eingebunden war. Die Ausstellung zeigte eindrücklich, dass Ausbeutung, Entrechtung und Gewalt keine Randerscheinungen waren, sondern ein zentraler Bestandteil des nationalsozialistischen Herrschaftssystems.
In den folgenden Tagen vertieften wir unsere Eindrücke durch weitere Rundgänge über das Gelände, Museumsbesuche sowie gemeinsame Gespräche. Schritt für Schritt entstand so ein immer genaueres Bild von der Geschichte und Funktion dieses Ortes – und von dem unermesslichen Leid, das hier Menschen zugefügt wurde.
Ein besonders eindrücklicher Programmpunkt war das sogenannte „Entsammeln“. Unter Anleitung unseres Betreuers Ronald Hirte sichteten wir zahlreiche Fundstücke aus archäologischen Ausgrabungen der vergangenen 25 Jahre und entschieden gemeinsam, welche Objekte als bedeutsam erhalten bleiben und welche nicht. Diese Arbeit machte Geschichte auf besondere Weise greifbar: Nicht nur durch Texte und Ausstellungen, sondern durch konkrete Spuren, die Menschen an diesem Ort hinterlassen haben.
Zu den weiteren Programmpunkten gehörte eine Wanderung auf der sogenannten Zeitschneise. Auf dem Ettersberg verbinden alte Wege das Konzentrationslager Buchenwald mit dem Schloss Ettersburg, einem Sommersitz der Weimarer Herzogsfamilie, die dort berühmte Gäste wie Johann Wolfgang v. Goethe und Friedrich Schiller empfing. Die Zeitschneise lädt dazu ein, über die irritierende Nähe von Kultur und Verbrechen nachzudenken.
Außerdem übernahmen wir Pflege- und Erhaltungsarbeiten am Jüdischen Mahnmal. Auch diese praktische Tätigkeit war ein wichtiger Teil der Studienfahrt: Erinnerung wurde hier nicht nur theoretisch behandelt, sondern ganz konkret als Verantwortung verstanden.
Das Zitat von Margaret Bourke-White stand dabei sinnbildlich über unserer gesamten Fahrt. Es macht deutlich, dass Erinnerung nicht nur rückblickendes Gedenken bedeutet, sondern immer auch die Frage nach Verantwortung stellt: Was wurde gesehen, was wurde verdrängt, und warum blieb so vieles ohne Konsequenzen? Der Besuch in Buchenwald hat uns vor Augen geführt, dass Wegsehen, Schweigen und Gleichgültigkeit Teil solcher Verbrechen sind. Die Auseinandersetzung mit diesem Ort ist deshalb nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch ein Auftrag für die Gegenwart: hinzusehen, Unrecht zu benennen und Verantwortung zu übernehmen.
Désirée Breunig und Stefanie Pirags
Lesen Sie hier die Eindrücke unserer Schüler:innen.
Vor zwei Wochen fand die Kursfahrt des Projektkurses „Verfolgungsgeschichten“ statt, in der wir sechs Tage in der Gedenkstätte Buchenwald verbrachten. In meiner Zeit dort konnte ich unglaublich viel über das Konzentrationslager und über die Zeit, in der es aktiv war, lernen. Natürlich haben wir zu diesem Thema schon viel im Unterricht gelernt, aber wirklich dort zu stehen, bewegt einen auf eine Weise, die schwierig zu beschreiben ist. Das Lager und die noch stehenden Gebäude sind viel größer als ich vorher dachte, was das Leiden, das dort stattfand, noch einmal anschaulicher macht. Die Fahrt war deshalb emotional fordernd, aber dennoch sehr interessant. Unser Guide, Herr Hirte, wusste unglaublich viel über das KZ und wie es überhaupt so weit kam. Egal wie schwierig eine Frage war, er wusste immer die Antwort. Trotz der bedrückenden Atmosphäre kann ich zusammenfassend sagen, dass die Fahrt eine unglaublich schöne Erfahrung war, und dass ich es an keinem der sechs Tage bereut habe, den Projektkurs gewählt zu haben. (Inga Barkmann)
Vor zwei Wochen war der Projektkurs ,,Verfolgungsgeschichten“ in der Gedenkstätte Buchenwald, um dort Eindrücke über die Geschehnisse zur Zeit des Nationalsozialismus zu sammeln. Es war unfassbar interessant, allerdings gleichzeitig auch sehr ergreifend und schrecklich zu sehen, was Nazi-Deutschland in so kurzer Zeit errichten konnte, und wie normalisiert der Hass gegen andere Bevölkerungsgruppen und vor allem Religionen war. Wir haben viel erfahren können über die tatsächlichen Zustände im ehemaligen KZ und haben sehr viel lernen können, nicht zuletzt wegen unserer motivierten Lehrkräfte und unseres Guide, Herr Hirte, die uns viel vom und ums Gelände gezeigt haben. Es wurde eine gute Mischung aus ernstem Programm, und Freizeit und Ablenkung gefunden, sodass diese emotional doch fordernde Fahrt nicht zu viel für einen wurde. Diese Fahrt hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und war in vielerlei Hinsicht augenöffnend über die damaligen Zustände. (Manuel Blümel)
Die Fahrt in die Gedenkstätte Buchenwald kann ich als unfassbar interessant und auch emotional beschreiben. Ich habe Dinge erfahren, die ich nicht erwartet hatte. Und viele von diesen Dingen waren grausamer als jemals gedacht. Das Programm selbst war auch sehr gut durchdacht. Es war die perfekte Mischung aus Arbeit und Freizeit. Alles in allem kann ich nur sagen, dass es eine großartige Fahrt mit vielen Eindrücken und Erlebnissen war. Und vor allem habe ich sehr viel gelernt! (Leonel de Jesus Parente)
Die Zeit in Buchenwald war eindrucksvoll. Die Tiefe der Geschichte und der schrecklichen Ereignisse hat mich besonders mitgenommen. Es steckt viel mehr dahinter als man in den Geschichtsbüchern liest. Seit der Fahrt hat sich mir eine Art „neue Welt“ geöffnet, ich sehe vieles mit anderen Augen. Die Fahrt hat meine Sichtweise auf unsere heutige Individualität und Freiheit geändert, die zu einer anderen Zeit undenkbar war. Es war oft schmerzhaft Dinge zu erfahren und zu sehen und uns kamen oft die Tränen, doch ich durfte lernen, dass auch diese Gefühle dazu gehören. Es ist unglaublich wichtig, auch heute noch solche Orte zu besuchen, egal, wie beängstigend es ist. Wir müssen uns erinnern, damit die Opfer und ihr Schicksal niemals in Vergessenheit gerät. (Emilia Gaggiano)
Die Fahrt nach Buchenwald war wirklich sehr besonders. Ich glaube, die Zeit an diesem besonderen Ort hat uns alle weitreichend verändert und uns so viel beigebracht. Nicht nur über das Arbeitslager Buchenwald selber, sondern auch über alles, was zu diesem gehört. Neben der Menge an Informationen über das Lager war es auch interessant und eindrücklich zu hören, wie viel die Menschen schon damals über die NS-Verbrechen in ihrer Nachbarschaft wussten. Besonders schockierend finde ich unter anderem Folgendes: dass es damals Wanderwege durch Buchenwald gab, dass Weimarer\*innen sogar von der SS in den Zoo von Buchenwald (der direkt an das Lager grenzt) eingeladen wurden und dass die gestorbenen und ermordeten Häftlinge in den ersten Jahren des Lagers nicht in dem später gebauten Krematorium verbrannt wurden, sondern extra in die Stadt gebracht wurden und dort im Wissen der Bürger\*innen verbrannt wurden.
Trotz all der verstörenden, grausamen und belastenden Eindrücke empfand ich unsere Fahrt mit Frau Pirags und Frau Breunig als sehr schön, lustig und empfehlenswert. (Carl Gokus)
Die Fahrt zur Gedenkstätte Buchenwald war für mich eine Chance, ein ehemaliges Konzentrationslager zu besichtigen. Während dieser Fahrt habe ich viele Eindrücke gewonnen, wie es damals gewesen war, obwohl ich es mir immer noch nicht 100% vorstellen kann, aber deutlich mehr als vorher. Ich hätte vor der Fahrt gesagt, dass ich schon recht viel über den Aufbau und die Funktion der Konzentrationslager im Nationalsozialismus weiß, diese Aussage muss ich nun korrigieren , da eine Menge an neuen Eindrücken auf mich zu kam. Vielen Dank an Frau Breunig, Frau Pirags und Herrn Hirte für das tolle und gut durchdachte Programm. (Ferdinand Heising)
Der Besuch in Buchenwald mit dem Geschichtsprojektkurs war für mich sehr augenöffnend. Es war beeindruckend und gleichzeitig auch extrem spannend, die Orte einmal selbst zu sehen. Dadurch konnte man vieles viel besser verstehen und sich die Ereignisse besser vorstellen als nur beim Lesen in Büchern. Der Besuch hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, sich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen. (Julien Ikanovic)
Für mich war es eine der eindrücklichsten Fahrten, die je hatte. Ich habe noch nie so viel auf einer Fahrt gelernt und gleichzeitig so viel Spaß gehabt. Damit habe ich auch gar nicht gerechnet und das macht diese Fahrt so besonders. Diese Eindrücke, die ich sammeln durfte, werde ich nie vergessen, da sie mir gezeigt haben, wie privilegiert wir eigentlich sind und welches Glück wir haben, in einer Demokratie leben zu dürfen. Frau Pirags und Frau Breunig haben diese Fahrt auch zu etwas besonderem gemacht, da keine Frage, die man gestellt hat, zu viel war, und man sich individuell mit dem Ort auseinandersetzen konnte. Sie haben uns allen den Raum gegeben, den Ort und die Geschichte dahinter zu verarbeiten. Auch durch die Rundgänge mit Herrn Hirte habe ich ein ganz anderes Bild von der damaligen Zeit bekommen und es hat mir gezeigt, wie wenig ich eigentlich über diese schreckliche Zeit weiß und welche Ausmaße sie hatte. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass das Konzentrationslager Buchenwald eine eigene Stadt für sich war mit eigener Feuerwehrwache und einem Krankentrakt, der jedoch nicht der Pflege, Schonung oder Heilung der Häftlinge diente, sondern von den Nationalsozialisten zu einem Ort des Sterbens und Tötens gemacht wurde. Die Zeit dort hat mir gezeigt, wie dankbar ich für mein Leben sein kann und ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hatte, diesen Ort besuchen zu dürfen. Ich würde mich jedes Mal aufs Neue wieder für diesen Projektkurs entscheiden. (Laura Meiser)
Die Projektfahrt nach Buchenwald war eine sehr eindrückliche Erfahrung. Vor Ort habe ich erst das Ausmaß der Geschichte verstanden und die Geschichten der Opfer haben es noch echter und emotionaler gemacht. Ich bin der Meinung, jeder sollte einmal so einen Ort besuchen, um zu verstehen, was dort passiert ist und um die Geschichte niemals zu vergessen. Man versteht die Wichtigkeit, weiterhin über das Thema aufzuklären und zu reden erst, wenn man wirklich vor Ort war und die Geschichte mit eigenen Augen sehen konnte. Auf der Projektfahrt habe ich Dinge für mein Leben mitgenommen, die ich niemals vergessen werde. Es ist sehr schwierig, das dort gelernte zu verarbeiten, dennoch bin ich froh darüber, es gesehen zu haben und die Chance gehabt zu haben, so viel über die Zeit des Nationalsozialismus und über die Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald zu lernen.
Trotzdem war die Fahrt nach Buchenwald ausgeglichen, da wir trotz der bedrückenden Stimmung während des Besuchs des Konzentrationslagers und anderen Programmpunkten, viel Spaß hatten. (Lea Meyer)
Buchenwald war für mich eine sehr eindrucksvolle, spannende und zugleich lehrreiche Erfahrung. Es hat mir viel bedeutet, diesen historischen Ort in echt zu sehen, denn vor Ort ist alles noch einmal ganz anders als in Dokumentationen oder Erzählungen. In den sechs Tagen konnte ich sehr viel lernen und erfahren. Jeden Tag gab es etwas Neues und Interessantes zu entdecken. Dennoch hatten wir auch sehr viel Spaß. Ich kann jedem wirklich empfehlen, den Projektkurs zu wählen oder selbst dorthin zu fahren, weil man dort sehr viel über die schrecklichen Ereignisse der NS-Zeit erfährt. Dieses Wissen ist wichtig, damit so etwas nie wieder passiert. (Alex Mokas)
Die Zeit in der Gedenkstätte habe ich als sehr aufschlussreich und interessant wahrgenommen. Vor der Kursfahrt konnte ich gar nicht wirklich einschätzen, was mich erwarten wird, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass es eine sehr bereichernde Fahrt war. Ich fand es besonders spannend einen Ort zu sehen, an dem sich einer der einschneidendsten, wenn nicht sogar der einschneidendste Teil der deutschen Geschichte abgespielt hat. Außerdem kann ich jetzt nach der Fahrt sagen, dass ich noch nie in einer so kurzen Zeit so viel gelernt habe und, dass ich es immer wieder machen würde. (Frieda Scharfenstein)
Die Tage, die wir in Buchenwald verbracht haben, waren für mich eine sehr intensive und bewegende Zeit. Obwohl wir im Unterricht schon viel über die Zeit des Nationalsozialismus gelernt haben, ist es ein ganz anderes Gefühl, die Gedenkstätte mit eigenen Augen zu erleben. Eine besonders erschreckende Erfahrung war das ehemalige Bordell im Lager. Die erschreckende Zwangsarbeit der Frauen und der Wirtschaftszweig, der sich daraus ergab, war besonders erschütternd. Dieser Teil der Geschichte zeigt noch einmal auf eine andere Weise, wie unmenschlich das System des Konzentrationslagers war. Alles in allem haben wir in Buchenwald noch einmal gemerkt, wie umfangreich die Geschichte der Konzentrationslager und wie groß das Leid der Menschen war. Es war eine wichtige Erfahrung, die mir viel über Privilegien des Lebens klargemacht hat und ich bin froh, dass ich diese Erfahrung mit ebenso interessierten Menschen wie ich machen konnte. (Tara Schlicker)
Die Kursfahrt nach Buchenwald hat mich als Person sehr verändert. Durch das vielseitige Programm hatte wir die Möglichkeit, das ganze Gelände und dessen Geschichte kennenzulernen, was sehr interessant aber auch bedrückend war. Durch das vielfältige Programm entwickelte ich ein anderes Bewusstsein für dieses Thema und den Ort. Denn erst durch diese Kursfahrt wurde mir bewusst, welches Ausmaß dieses Verbrechen hatte. Obwohl die Stimmung innerhalb der Gedenkstätte sehr bedrückend war, gab es trotzdem immer wieder lustige Momente, vor allem abends innerhalb der Gruppe. Es war sehr ausgeglichen. Trotz der guten Stimmung innerhalb der Gruppe war es schwierig, wieder in den normalen Alltag zu finden, da die ganzen Eindrücke mich sehr mitgenommen haben. Ich bin der Meinung, dass so eine Kursfahrt für jeden ermöglicht werden soll, da so ein Thema niemals in Vergessenheit geraten soll. Ich bin froh, die Fahrt miterlebt zu haben und empfehle es allen anderen Buchenwald, persönlich zu besichtigen. (Alexandra Wessa)


























