Rögy-Schüler übernehmen die Pflege

Johann Max Franzen übergab die Lenneper Stolpersteine an die Jugendlichen.

Die 16 Stolpersteine, die es aktuell in Lennep gibt, sind seit Donnerstag in guter neuer Obhut. Johann Max Franzen (74) übergab am Donnerstag Putzzeug an Schüler der Jahrgangsstufe 9 des Röntgen-Gymnasiums. Kirsten Kluge, Claudia Rüß und Philipp Prinz unterrichten hier Geschichte. „Maßnahmen ,gegen das Vergessen’ sind sogar auf der Homepage unserer Schule verankert“, berichtet Rüß und verweist darauf, dass die NS-Diktatur ohnehin im neunten Schuljahr im Lehrplan stehe.

„Wir beschäftigen uns generell mit der NS-Zeit und haben viel darüber gesprochen“, bestätigte Schülerin Liz Bulitz im Gespräch mit dem RGA. „Da denkt man viel darüber nach.“ Sie findet es „gut, dass wir das in der Gemeinschaft tun“. Interessant findet Daniel Pilz die Stolpersteinaktion; sie sei eine gute Gelegenheit, „Näheres zu erfahren“.

Für Agni Mitra sind die Stolpersteine eine praktische Ergänzung zu dem Projekt in der Klasse von Kirsten Kluge, in der die Schüler ein fiktives Tagebuch aus der Perspektive eines betroffenen Juden aufgezeichnet haben – mit einem Steckbrief dazu. „Das hat mich so fasziniert, dass ich unbedingt mehr erfahren wollte – mehr lernen, um einen besseren Einblick zu gewinnen“, fügte er hinzu.

Womit er Wasser auf die Mühlen von Schulleiter Matthias Lippert goss. „Geschichtliches“, sagte der, „mit der Geschichte vor Ort verbinden zu können“, sei eine wichtige und wertvolle Methode. Vor allem biete sie zurzeit zwei besondere Aspekte: Zum einen leben noch die letzten Zeitzeugen – zum anderen sind sie thematischer Ansatz einer Klammer zur wachsenden Fremdenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft.

Für Johann Max Franzen ist das Kapitel jetzt fast zu Ende

Philipp Prinz hat die Stolpersteine im Unterricht ebenfalls mit dem Lehrstoff „NS“ verbunden; für Kirsten Kluge bieten sie „einen wertvollen außerschulischen Lernort“. So ähnlich wie die besondere Chance, mit der Tochter eines der Opfer des Massenmordes in der Wenzelnbergschlucht Kontakt aufnehmen zu können; davon berichtete Claudia Rüß.

Rögy-Schüler hatten am 23. April die dortige Feierstunde gestaltet. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz war noch am Donnerstag voll des Lobes darüber. „Das macht man nicht so nebenbei, sondern hängt immer auch vom Input ab“, galt Teil 2 seines Lobs den beteiligten Lehrern.

Für Franzen wird das Kapitel bald abgeschlossen sein; es folgen noch die Albert-Einstein-Realschule und das Gymnasium Wermelskirchen für die dortigen Stolpersteine.


Stolpersteine
© Roland Keusch

Verfolgten die Übergabe von Johann Max Franzen an die Rögy-Schüler: Schüler, Lehrer, Schulleiter und Oberbürgermeister. 


Quelle: RGA-Online vom 08.06.2017 / von Thomas Wintgen
Foto: Roland Keusch