Schüler tüfteln für das Landesfinale

RöGy-Team zählt zu den besten 5 von 150 im Land. In Hagen tritt es gegen andere Wasserstoffzüge an.
Am Donnerstag wird es spannend. Dann ist das Finale des Landeswettbewerbs „Fuelcell-Box“ der Energie-Agentur; die Jury hat aus 150 Einsendungen 5 ausgewählt und die dazugehörigen Teams zum Abschluss nach Essen eingeladen. Auf das Gelände der Hespertalbahn – des bewussten Kontrastes wegen. Denn im Hespertal verkehrt eine Museumsbahn.

Am Tag, als das dreiköpfige Team des Röntgen-Gymnasiums das Wettbewerbs-Set zugeschickt bekam, verkehrte der erste Probezug, der wirklich mit Wasserstoff angetrieben ist, weiß Physiklehrerin Kathrin Mießen. Den ersten Zug der Welt, der seinen Strom aus Wasserstoff in der Brennstoffzelle erzeugt, zeigte der französische Bahnkonzern Alstom auf der „InnoTrans“ 2017 in Berlin. Der Zug soll noch in diesem Jahr im Regionalverkehr rund um Bremen eingesetzt werden.

Leise, abgasfrei, komfortabel und doch mit 140 km/h recht schnell – das ist der „Coradia iLint“. Dieser Name steht für den ersten Zug mit Brennstoffzelle, den der französische Technik-Konzern Alstom entwickelt hat und der in wenigen Jahren die heute rund 2 700 Dieselzüge ablösen könnte, die in Deutschland auf nicht elektrisierten Strecken rollen.

Praxisnäher geht Schulstoff kaum. Am Röntgen-Gymnasium kommt hinzu, dass es das Projekt „Forschertalente“ gibt. Das betreuen Kathrin Mießen und die Kollegin Judith Börsch im Bereich Naturwissenschaften. Von den Forschertalenten kamen am Dienstag Philip Busch, Martin Licht und Christian Steinberg. Die drei können sich vorstellen, sich 2018 an dem Wettbewerb der Energie-Agentur zu beteiligen.

Deswegen schauten sie mal dem Trio über die Schultern, das sich am Dienstag vor allem mit einem „Schlachtplan“ beschäftigt hat. Denn wie sich im Praxistest auch wieder gezeigt hat: Leitungen müssen für die Elektrolyse absolut trocken sein – Wasser legt Wasserstoff als Antrieb gewissermaßen lahm. Am Donnerstag müssen Nicole, Dennis und Marcel hochkonzentriert arbeiten, um Fehler möglichst zu vermeiden. Am Dienstag tüftelten sie aus, welche Fehler passieren können – um im Finale möglichst routiniert und rasch darauf reagieren zu können.

Roegy Team im Landesfinale
© Doro Siewert

Tüftelten am Dienstag den Schlachtplan für das Finale am Donnerstag aus (von links): Christian Steinberg, Marcel Leonhardt (Team), Martin Licht, Philip Busch, Dennis Neuhaus und Nicole Sterken (beide Team) mit Physiklehrerin Kathrin Mießen im Fachraum des Röntgen-Gymnasiums. 


Team simuliert Fahrbetrieb auf Kurz- wie Langstrecken

Am Anfang war die Theorie. Kathrin Mießen zog im Gespräch mit dem RGA noch einmal den Hut vor den drei Schülern – dafür, dass sie etliche Stunden gebüffelt, gerechnet und in dieses außerschulische Projekt gesteckt haben. Es ging darum, Wirkungsgrade zu berechnen, herauszubekommen, mit wie viel Energie der Zug wie lange auf den Schienen rollt, wie der Elektrolyseur am effektivsten funktioniert und dergleichen mehr. Diese umfangreichen theoretischen Vorarbeiten empfand Mießen als „Vorgeplänkel“ gegenüber der praktischen Simulation des Fahrbetriebs.

Im Nahverkehr mit entsprechend vielen Stopps wie im „Fernverkehr“ testeten die Rö-gy-Schüler den ICE auf Lego-Basis, wobei die beiden Fahrköpfe des Zuges erhalten bleiben mussten – für den Waggon mit der Brennstoffzelle hatten die Schüler freie Hand. „Total stolz sind wir auf unser Betankungssystem“, sagt Dennis Neuhaus.

„Wir haben so viel Zeit in das Projekt gesteckt“ – da sei er besonders gespannt auf den Praxis-Test unter verschärften Wettbewerbsbedingungen. Nicole Sterken ist richtig „stolz darauf, dass wir es so weit nach vorne geschafft haben“ – zumal: „So weit ist bisher noch niemand vom Röntgen-Gymnasium gekommen“, schließt sich Marcel dem Stolz der Mitschülerin gerne an. Das Wettbewerbs-Trio ist gespannt auf die Bewertung der Aufbauten, zumal sie sich im Nachhinein auf die Schulter klopfen können für manch eine gute Idee dabei – der ganze Tankwagen ist individuell entworfen und hat gläserne Aufbauten, um den Wasserstand besser sehen zu können.

Das RöGy-Team hat noch keine Ahnung, welche Aufgabe es lösen muss. Um so größer ist aktuell die Spannung – bis Donnerstag.


Quelle: RGA-Online vom 27.06.2017 / von Thomas Wintgen
Foto: Doro Siewert