Vom Atombunker bis zur Schülermütze

Linda Kesslers besondere Führung durch das Röntgen-Gymnasium fand viel Zuspruch.

Die knapp 20 Teilnehmer – fast alle ehemalige Schüler des Lenneper Röntgen-Gymnasiums – waren begeistert: So wie die frühere RöGy-Lehrerin Linda Kessler ihnen ihre alte Schule zeigte, hatten sie sie noch nicht gesehen. So wussten nur wenige, dass sich unter dem Neubau aus den 60er Jahren ein Atombunker befindet und unterirdische Fluchtwege vom Altbau dorthin führen.

Auch im Dachstuhl mit dem alten Uhrwerk und dem Blasebalg der Orgel war wohl noch keiner vorher gewesen. 1913 hatten Preußischer Landtag und Lenneps Stadtrat den Schulneubau beschlossen. Das historistische Bauwerk, das Stilelemente von bergischen Barock über Neoklassizismus bis zum Jugendstil vereint, wurde nach den Plänen des Lenneper Architekten Paul Dürholt errichtet. So konnten 1916 mitten im Weltkrieg 250 Lenneper Gymnasiasten „ihre“ neue Schule beziehen.

Vom Dunkel der Unwissenheit ins Licht des Wissens

Rechts und links der schweren Eingangstür mahnen klassizistische Säulen an das an das humanistische Bildungsideal. Hinter der Tür der bedrohlich dunkle „porticus rotundus“, die runde Eingangshalle, von der aus einige Stufen in den lichtdurchfluteten Flur mit einem freundlich plätschernden Brunnen führt. „Also vom Dunkel der Unwissenheit ins Licht des Wissens,“ erläuterte Linda Kessler. Hinter einer verborgenen Tür lagern alle schriftlichen Abiturarbeiten, die seit 1916 geschrieben wurden. Ein besonderes Schmuckstück ist die Aula, die nach vielen „Renovierungen“ seit etwa zehn Jahren wieder in alter Pracht glänzt. Im ehemaligen Biologieraum lagern die Schätze des Schulmuseums. In einer Vitrine liegen ein Brief und ein Foto des Schauspielers Heinz Rühmann und Schülermützen, genau so, wie Rühmann sie in der berühmten „Feuerzangenbowle“ getragen hat. Rühmann war aber nie Schüler des Röntgen-Gymnasiums. Er hat sein Abitur am nahen Alumnat nachgemacht. Wer Interesse an einer Führung hat, muss sich an die IG Stadtführer wenden: Tel. 02191 7913052.

 

Quelle: RGA-Online vom 29.05.2016 / Von Doris Stürmer