Lenneper Schüler im Rader "Schülercamp"

Es dauert eine gute halbe Stunde, dann haben die 15 Schüler ihren Masterplan gefunden.
Ihre Aufgabe: Einen Ball, den jeder nacheinander berühren muss, so schnell wie möglich rotieren lassen.

Gemeinsam entwickeln die Jugendlichen verschiedene Methoden und steigern ihre Zeit schließlich von anfangs 13 auf 0,5 Sekunden. Die Schüler haben verstanden: Teamarbeit kann nicht nur Spaß machen, sondern auch Erfolg bringen.

Die Übung mit dem Ball ist die erste von vielen, die noch folgen werden - beim Berufsorientierungscamp des Lenneper Röntgen-Gymnasiums. Insgesamt 87 Schüler der Einführungsphase (1. Jahr Oberstufe) haben sich, in fünf Gruppen unterteilt, für zwei Tage in die Radevormwader Jugendherberge zurückgezogen. Dorthin, "wo der Hund begraben ist", wie RöGy-Schulleiter Matthias Lippert den Ort beschreibt, an dem die Schüler zusammenwachsen und viel über sich selbst erfahren sollen. 

Schon häufig fanden solche Camps in Rade statt. Bislang jedoch immer von der Schule selbst gestaltet. Diesmal ist das Camp zu großen Teilen von der Bundesagentur für Arbeit finanziert und liegt in den Händen der Kölner Seminar-Agentur "Hanschmidt". Das Röntgen-Gymnasium hatte sich Ende 2010 für dieses Projekt beworben und den Zuschlag über Fördermittel in Höhe von 7.500 Euro erhalten.

"Das Camp soll den Schülern dabei helfen, herauszufinden, in welche berufliche Richtung es später einmal gehen soll", erklärt Matthias Lippert. "Die meisten Schüler machen sich mit 16 Jahren nur Gedanken darüber, wie sie das Abitur schaffen - und nicht, was danach kommt." Diese Denkweise hält Lippert für zu kurzsichtig. Er ist der festen Überzeugung, "dass man die Schule nur mit Begeisterung meistern kann, wenn man ein Ziel vor Augen hat."

Ute Ackerschott, Leiterin der Agentur für Arbeit in Solingen, freut diese Einstellung. "An vielen Gymnasien wird auch heute noch in erster Linie darauf geschaut, die Schüler durchs Abitur zu bekommen und ihnen damit ein Studium zu ermöglichen. Wichtig ist aber eben auch, dass die Schüler nach der Schulzeit ihre Talente kennen."
Genau darum geht es in den Seminar-Übungen, die mit Theorie nicht viel zu tun haben. Die Teenager sollen auf spielerische Art Erfahrungen sammeln und ihre Neigungen besser kennenlernen. "Es dreht sich auch viel um die Frage: Welche Eigenschaften schreibe ich mir selbst zu?", sagt Trainerin Kasandra Nicolaou.

Eben wie beim Experiment mit dem Ball, bei dem die Schüler auch viel über ihr Verhalten in der Gruppe erfahren. Dass es unter ihnen Anführer, Mitläufer, Kreative, Motivatoren und Pessimisten gibt. Nicolaou: "Aber zusammen wart ihr ein Team, das ein gemeinsames Ziel verfolgt hat." Den Schülern machen die Übungen sichtlich Spaß.

Schon im Januar absolvieren sie alle ein Schülerpraktikum. Und bis zum Abi stehen dann auch noch Bewerbungstests, Schnuppertage an der Uni und Facharbeiten in Zusammenarbeit mit bergischen Betrieben an", sagt Matthias Lippert. Das Camp soll nur die Grundsteinlegung für ein hoffentlich zufriedenes späteres Berufsleben sein."

Quelle: RGA-Online vom 16.12.2011 / von Gunnar Freudenberg