Abschied von 13 Schuljahren

Remscheid (RP). 2013 macht der Doppeljahrgang Abitur. Lukas Kirchner (19), Abiturient am Röntgen-Gymnasium, sieht darin mehr Positives als Nachteile.

Nach 13 Schuljahren wird Lukas Kirchner 2013 am Röntgen-Gymnasium sein Abitur ablegen – mit 149 Mitschülern, die zurzeit zwischen 16 und 19 Jahre alt sind. Denn die 2013er Abiturienten sind eine Ausnahme: Sie bilden den sogenannten Doppeljahrgang – zusammengesetzt aus Schülern, die nach acht Jahren (G 8) und die ein letztes Mal nach neun Jahren (G 9) ihre Reifeprüfung ablegen.

Auf die Frage, ob er sich gegenüber Schülern mit verkürzter Schulzeit privilegiert fühle, wägt der 19-Jährige ab: "Wir hatten ein Jahr mehr Zeit, die anderen kommen aber früher ins Berufsleben, verdienen früher Geld. Vielleicht sind die Jüngeren schneller erwachsen geworden", meint er. Aber diese Trennlinie – die und wir – will er eigentlich gar nicht ziehen. "Wir sind zusammengewachsen."

Die Intention, junge Menschen früher in Ausbildung und Studium zu bringen, verfolgten die Schulgesetzgeber, als sie den Weg für das Abi in acht Jahren ebneten. In Remscheid entschieden sich alle vier Gymnasien für G 8. Nach einem unglücklichen Start aufgrund fehlender Lehrpläne seien Schwächen längst ausgemerzt und neue positive Impulse gesetzt worden, stellt RöGy-Direktor Matthias Lippert fest.

Den von vielen Seiten beklagten Stress durch lange Unterrichtstage empfinde er nicht, sagt Lukas Kirchner. Von derlei Klagen hat er auch in seinem Jahrgang nichts gehört. Mehr Lerndruck habe man eher beim Übergang in die Oberstufe gespürt. "Und ich glaube, dass vor dem Abitur noch mal richtig Arbeit auf uns zukommt. Jetzt müssen wir Gas geben."

Hobbys blieben nicht auf der Strecke, sagt der Abiturient. Er selbst war Mitglied im Jugendrat, ist begeisterter Footballer beim AFC Amboss und aktiv in der Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde. Außerdem arbeitet er als Schüler mit den Leistungskursen Mathe und Physik im Forschungslabor "RöLab" mit.

Der Schülersprecher des RöGy kann den Umwälzungen an Gymnasien viel Positives abgewinnen. "Wir haben eine Mensa bekommen und schöne Aufenthaltsräume", sagt er. Durch den starken Doppeljahrgang eröffneten sich für die Schüler bei den Fächern mehr Wahlmöglichkeiten. "Sogar ein Leistungskurs in Chemie wäre möglich gewesen, er kam aber nicht zustande", berichtet der Lenneper. Andere Kurse waren in den Vorjahren nur in Kooperation mit dem Leibniz-Gymnasium realisierbar. Auch auf der menschlichen Ebene ergaben sich durch das Zusammenwürfeln der Jahrgänge positive Effekte. "Viele haben neue Freundschaften geschlossen."

Nach dem bestandenen Abitur werde erst mal gefeiert – auf dem Abiball und auf einer Abschlussreise, sagt er mit Blick auf den Sommer 2013. Zukunftsangst angesichts einer Abiturientenschwemme hat der selbstbewusste 19-Jährige nicht. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr möchte er eine Ausbildung bei der Polizei machen.

Wo sieht er sich in 13 Jahren? "Als Polizist, mit festem Wohnsitz – vielleicht im Bergischen – und mit eigener Familie", sagt er.

Quelle: RP-online vom 31.12.2012 - RP/rl - VON SOLVEIG PUDELSKI