Chinesen staunen über Lennep

Remscheid (RP). Premiere für Remscheid: Das Röntgen-Gymnasium hat eine Partnerschaft mit einer chinesischen Highschool geschlossen. 35 Jugendlichen sind zurzeit in Lennep zu Gast. Zum Auftakt gab es eine Führung durch die Altstadt.

Pittoreske Altstadtkulisse, Kopfsteinpflaster, eine Jahrgangsstufe mit "nur" 80 Schülern und Familien, die mehr als ein Kind haben – all dies ruft bei den Jugendlichen aus dem chinesischen Wenling großes Staunen hervor. 35 Schüler einer dortigen Mittelschule sind derzeit zu Gast in Lennep. Dem Röntgen-Gymnasium ist es nach intensiven Bemühungen gelungen, eine Schulpartnerschaft mit der "Wenling City No. 2 High School" einzustielen.

"Normalerweise regnet es hier"

Gleich zu Beginn ihres Aufenthalts wurde die Gruppe vom ehemaligen Schulleiter Hans-Helmut Hammes durch Lennep geführt. Erklärungen zur Stadtgeschichte, zum Röntgen-Museum oder zur Klosterkirche gab's auf Englisch, wobei Englischlehrerin Frau Mao hin und wieder ins Chinesische übersetzen musste. Hammes kam am tropenheißen Wochenende nicht umhin, auf eine Besonderheit hinzuweisen: "Normalerweise haben wir viel Regen und nur wenig Sonne."

Eifrig reckten die 16- bis 18 Jährigen die Hälse mal nach links, mal nach rechts und hielten die Eindrücke per Kamera und Smartphone fest. Die jungen Chinesen wohnen bei den RöGy-Schülern, von denen einige bereits Chinesischunterricht haben oder zumindest in einer AG Sprachkenntnisse erwerben konnten. Neben dem von der Schule organisierten Ausflugsprogramm sollen die Gäste auch direkte Kontakte zu den gleichaltrigen Deutschen knüpfen können. Und die geben sich viel Mühe, um ihre Gastfreundschaft unter Beweis zu stellen. "Wir haben extra Stäbchen besorgt. Mit denen wurden dann die Pommes gegessen", erzählt Saskia Buß, die Gaohuan Wu beherbergt.

Auch Bjarne Sievers hat festgestellt, dass Jugendliche im Reich der Mitte anders aufwachsen. "Sie sind sehr zurückhaltend und höflich. Und dass manche von uns Geschwister haben, ist für die meisten etwas völlig Neues", berichtet Bjarne mit Bezug auf die Ein-Kind-Familie, die in China die Regel ist. Das in der chinesischen Provinz Zhejian gelegene Wenling sei mit rund einer Million Einwohnern für dortige Verhältnisse recht überschaubar. "Die Chinesen haben 800 Leute in einer Jahrgangsstufe – für uns unfassbar", hat Bjarne erfahren.

Bis Freitag werden Lehrer und Schüler die Gegend erkunden. Weiterhin stehen Projekte auf dem Programm, damit die Schüler ihre unterschiedlichen kulturellen Sicht- und Verhaltensweisen kennenlernen. Beim Waffelbacken und einem Grillabend soll auch das Bergische Land kulinarisch nicht zu kurz kommen. Der Gegenbesuch ist im Oktober.

Quelle: RP-Online / VON STEFANIE BONA - 21.08.2012