Projektfahrt in die Gedenkstätte Buchenwald

 Mit dem Projektkurs „Verfolgungsgeschichte(n)“ der Q1 fuhren wir vom 18. bis 23. März auf Studienfahrt in die Gedenkstätte Buchenwald.

Am Montag kamen wir – pünktlich zum Abendessen – in der Jugendbegegnungsstätte der Gedenkstätte auf dem Ettersberg an. Gemeinsam mit unserem dortigen Ansprechpartner Herrn Hirte haben wir die ersten Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers kennenge­lernt.  Wir betrachteten z.B. sowohl das bekannte Lagertor als auch  den SS-Hundezwinger. Damit ging der erste Tag mit ein paar ersten Eindrücken für uns zu Ende.

Am Dienstagvormittag hatten wir Zeit, das Gelände selbstständig zu erkunden. Für den Zeit­raum von circa zwei Stunden gingen wir in Kleingruppen zu den noch vorhandenen Gebäuden oder Gebäuderesten, verschiedenen Gedenksteinen oder Denkmälern für die Opfer des Holo­causts. In einer gemeinsamen Besprechung der erkundeten Teile des Lagers stellten wir fest, dass jede Gruppe einen anderen Weg genommen hatte und somit jeder andere Teile des ehe­maligen Konzentrationslagers gesehen hatte. Dadurch wurde deutlich, wie groß und komplex der Aufbau des Geländes ist. Nachmittags besuchten wir das ehemalige Kammergebäude, in dem heute das Museum untergebracht ist. In der dreistöckigen Ausstellung werden Fundstü­cke, Dokumente, Uniformen und Hörstationen sowie kurze Filme ausgestellt. Danach began­nen wir die Arbeit an unserer gemeinsamen Projektarbeit zum Thema der Beziehung zwischen Buchenwald und Weimar: Was wussten die Bürgerinnen und Bürger Weimars wirklich? Begründet mit der Aussage „Wir wussten von nichts“ führten die Amerikaner kurz nach der Befreiung des Konzentrationslagers im April 1945 ca. 1000 Weimarer Bürger durch das Lager, um ihnen zu zeigen, was in ihrer direkten Nachbarschaft geschehen war. Aufgeteilt in Klein­gruppen beschäftigten wir uns über die gesamte Woche mit verschiedenen Materialien wie Literatur, Quellen, Interviews, Filmen oder Ausstellungsstücken, die wir in einer zeitaufwendi­gen aber stets interessanten Arbeit im Hinblick auf verschiedene Themenbereiche bearbeite­ten.

Am Mittwoch arbeiteten wir ebenfalls an diesen Aufgaben weiter und besuchten in einer Füh­rung auch den Steinbruch, der Ort des wohl härtesten Arbeitskommandos, und danach das Krematorium, das heute ein besonderer Ort der Stille und des Gedenkens ist und uns aufgrund der bedrückenden – teilweise auch erdrückenden – Atmosphäre besonders stark im Gedächt­nis geblieben ist. Zudem sahen wir eine weitere, besondere Gedenkplatte, die an alle Opfer des Kon­zentrationslagers vereint erinnert und beheizt wird, damit sie auch im Winter gut sichtbar ist.  Sie liegt an der Stelle des ersten Denkmals in Buchenwald, das Häftlinge hier 1945 kurz nach der Befreiung des Lagers errichtet hatten.

Der Donnerstag begann ebenfalls mit der Arbeit in Kleingruppen und nachmittags machten wir einen Ausflug nach Weimar. Zuerst bekamen wir in einer Führung von Herrn Hirte einen kleinen Einblick in das nationalsozialistische Weimar (z.B. Gau-Forum) und das Weimarer Nationaltheater. Danach hatten wir Zeit, die Stadt eigenständig zu erkunden. Diese Zeit nutzen wir, um in den Park an der Ilm zu gehen oder die Sonne in einem der schönen Cafés zu genie­ßen. Auch die zahlreichen Museen boten eine Möglichkeit sich zu beschäftigen.

Am Freitag führte uns Herr Hirte auf dem Gelände zu Orten und Fundamenten von Gebäuden, die wir vorher noch nicht besichtigt hatten, beispielsweise zum Häftlingsbordell, zum SS-Zoo oder dem Krankenlager. Vorort stellten einige Gruppen ihre Ergebnisse vor. Der Nachmittag gestaltete sich für alle unterschiedlich. Manche nutzen die freie Zeit, um weiter an den Pro­jekten zu arbeiten, andere nahmen das Angebot wahr, am Rande des Lagergeländes an archä­ologischen Ausgrabungen teilzunehmen. Es mag unwirklich klingen, doch wir wurden fündig.  Nach einiger Zeit hatten wir einige wertvolle Schätze ausgegraben, wie zum Beispiel einen Bleistiftstummel, die Überreste einer Brille oder einen Anhänger eines Häftlings, in den dieser seinen Namen, Herkunft und Geburtsdatum eingeritzt hatte. Der Text war noch sehr gut les­bar: „Henry Chancerel, 5-8-20, Paris XV“. Recherchen in der Datenbank des Archivs ergaben dann, dass Henry Chancerel am 27. Februar 1945 in Frankfurt/Oder verhaftet und als politi­scher Häftling ins Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert worden war. Er war verheira­tet und von Beruf Schweißer. Am 16. März 1945 wurde er in das Zwangsarbeitslager Ohrdruf, ein Außenlager des KZ Buchenwald in der Nähe von Gotha, überstellt. Ein Stempelaufdruck vom 23. April 1945 zeigt, dass Chancerel das Lager überlebt hat, aber danach verliert sich seine Spur.  Es war sehr besonders, dass wir die Möglichkeit zu der Ausgrabung hatten und somit sozusagen hautnah die Spuren und Überreste des Konzentrationslagers erforschen konnten. Diese Erfah­rung nehmen wir auf jeden Fall als High­light der Fahrt mit.

Bevor wir Buchenwald dann am Samstag wieder verließen, besuchten wir das große Mahnmal aus DDR-Zeiten. Es erinnert an die Zeit des Nationalsozialismus und steht repräsentativ für alle Häftlinge und Opfer. Das Mahnmal umfasst drei riesige Massengräber, sieben große Reliefs, die die verschiedenen Phasen des Konzentrationslagers darstellen, sowie den Glockenturm, von dem man eine wunderschöne Aussicht auf die Umgebung hat. Danach machten wir uns auf den Weg zurück nach Remscheid.

Wir sprechen für alle, wenn wir sagen, dass diese Fahrt uns für immer in Erinnerung bleiben wird. Sie war nicht nur abwechslungsreich, sondern auch unglaublich wichtig für das Verständ­nis des Nationalsozialismus, der Menschen und die noch immer bestehende Aktualität des Themas. Viele Aspekte wurden uns nähergebracht, die wir nun in unser Leben mitnehmen und aus denen wir lernen können.

Leonie Henninger, Nadja Seider und der Projektkurs „Verfolgungsgeschichte(n)“

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Buchenwald 2

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Buchenwald6

Buchenwald7

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