Dreifach-Sporthalle am Rögy feiert Richtfest

 Quelle: RGA-Online/Autor: Tristan Krämer/Foto: Roland Keusch

Ein bisschen hatte es etwas von einer Weihnachtsfeier, von der die ungeliebte Großtante ausgeladen wurde. Beim Richtfest der neuen Dreifach-Turnhalle am Röntgen-Gymnasium am Donnerstag herrschte zwar freudige Stimmung und es gab bei Schülern, Lehrern und städtischen Vertretern viele glückliche Gesichter – die Großtante, in diesem Fall ein Vertreter des Unternehmens, das die Halle hochzieht, war jedoch nicht zugegen.

Und auch wenn es niemand der Verantwortlichen bei der Stadt so sagen wollte: Grund für das Fernbleiben könnte die zwischenzeitlich äußerst angespannte Atmosphäre zwischen der Verwaltung und dem Auftragnehmer während des bisherigen Verlaufs des planmäßig 5,29-Millionen-Euro teuren Bauprojekts gewesen sein.

Acht Monate hatte der Turnhallen-Neubau wegen mutmaßlicher Baumängel stillgelegen. Nach der Grundsteinlegung im Mai 2016 waren der Stadt Ende 2016 bei Kontrollen fehlerhafte Fundamente aufgefallen. Sie äußerte Sicherheitsbedenken und warf der ausführenden Baufirma Pfusch vor. Die Anwälte beider Seiten tauschten sich aus.

Dass es nicht zu einer Klage kam und der Bau am 24. Juli dieses Jahres wiederaufgenommen wurde, lag unter anderem an Oliver Ziehe. Er war im Frühjahr 2017 als zusätzlicher, externer Projektleiter – und auch ein Stück weit als Moderator – herangezogen worden. „Wir haben uns vor Ort erst einmal ein Bild gemacht und anschließend Gespräche mit allen Seiten geführt“, erklärte Ziehe beim Richtfest. Erst nach und nach seien so Lösungen für „alle technischen und alle wirtschaftlichen Konfliktpunkte“ gefunden worden.

Für seinen diplomatischen Einsatz erhielt Ziehe am Donnerstag Lob vom städtischen Gebäudemanager Thomas Judt. „Bei solchen Bauprojekten ist es wichtig, dass es zwischen den handelnden Personen auch zwischenmenschlich passt. Wenn das Vertrauen weg ist, hilft eine neutrale Sicht von außen“, gab er einen Einblick in das Verhältnis zwischen Stadt und Bauunternehmen.

Zuletzt habe er in der Sorge, dass das Dach nicht vor dem Jahreswechsel fertig werden könnte, „Blut und Wasser geschwitzt“. Anfang Januar sollen nun die Fenster eingesetzt werden. „Dann kann der Bau austrocknen und mit dem Innenausbau der Dreifach-Turnhalle begonnen werden“, berichtete der Gebäudemanager von den nächsten Schritten.

Mit Start des Schuljahres 2018/19 – eineinhalb Jahre später als ursprünglich geplant – soll die neue Sportstätte am Rögy eröffnen. Schulleiter Matthias Lippert bleibt trotz aller Verzögerungen entspannt. „Ich freue mich einfach. Wir haben hier dann eine hochmoderne Dreifach-Turnhalle mit allen Möglichkeiten“, blickte Lippert nach vorn und bedankte sich ausdrücklich bei der Stadt, dem Lehrerkollegium, seinen Schülern und den Schulen, in deren Hallen die Rögy-Klassen zum Sportunterricht ausweichen konnten. „Das hat toll geklappt“, so der Schulleiter.

Wie groß der Druck auf die Stadt angesichts der fehlenden Hallenkapazitäten für den Schul- und Vereinssport in Lennep aktuell ist, lässt sich an der Liste ablesen, die Sportdezernent Thomas Neuhaus und Sportamtsleiter Martin Sternkopf derzeit aufstellen. Darauf sammeln sie die Wünsche von Interessenten wie den Rollsportlern von der IGR Remscheid, die den Neubau nutzen wollen. „Sie stehen Schlange“, bestätigte Sternkopf. Auch deshalb sei die Dreifach-Turnhalle am Rögy ein „Meilenstein“ in der Sportentwicklungsplanung. „Was Sporthallen und Sportflächen angeht, sind wir in Remscheid auf einem sehr guten Weg“, versicherte Neuhaus.

RICHTSPRUCH

Zum Richtfest des Neubaus der 3-fach Sporthalle des Röntgengymnasium am 21.12.17

Mit Gunst und Verlaub,

vernehmt den Spruch aus luft‘ger Höh,

da wo nach altem Brauch ich steh,

gebaut wurde dieses Haus mit Sinn und Verstand,

für Schule, Jugend, Sportverband.

Seid willkommen zum Richtfest heut,

all Ihr Gäste und Handwerksleut.

Hier oben auf dem flachen Dach

steh ich nun als Chef  vom Fach,

wo jeher der Dachstuhl des Zimmermanns thront,

wurde hier gebaut aus Stahl und Beton.

Oh, was wären das für Qualen,

gäb‘s kein Handwerk, gäb´s kein Planen,

wo sich alle stets bemüh‘n,

ein gutes Werk zu stellen mit viel Müh‘n.

Die Halle haben wir errichtet,

in Lot und Waag´ recht aufgerichtet.

Über 30 m weit ist sie gespannt,

bald wird hier schon geturnt, gespielt und gerannt.

Doch sie ist beileibe nicht nur groß,

auch die Architektur ist grandios.

Die Maurer, Flechter und Maschinisten,

die Helfer und die Büroartisten,

sie alle gaben ihr Bestes her,

dafür sagen wir Dank umso mehr.

Auch Architekten, Bauleiter und Statiker

seien nicht ganz vergessen,

denn schließlich sind sie ja auch da gewesen.

Auch die vielen aus der Verwaltung

mit kritischem Kennerblick, Unterstützung, Gestaltung.

Sie alle trugen dazu bei,

dass dieses Werk so gut gedeih'.

So wollen wir dies Werk nun weihen,

möge Gott es beschützen und lassen gedeihen.

Mein erstes Glas, schütt nix daneben,

soll allen Glück und Frieden geben.

Kameradin schenk‘ ein.

Hoch, Hoch, Hoch,

Kameradin trink‘ auch Du!

Das zweite Glas sei Kindern, Lehrern und

Sportlern gebracht,

für die dieses Haus zur Nutzung gedacht.

Kameradin schenk‘ ein.

Hoch, Hoch, Hoch,

Kameradin trink‘ auch Du!

Das dritte Glas bring ich den Gesellen

und Meistern,

den guten und den bösen Geistern.

Ob Flechter, Stahlbauer, Maschinisten,

ob Maurer, Helfer egal was er kann,

ein jeder stellte seinen Mann.

Politisch korrekt geht´s manchmal auch auf dem Bau,

natürlich stellte, der ein oder andere auch eine Frau.

Kameradin schenk‘ ein.

Hoch, Hoch, Hoch,

Kameradin trink‘ auch Du!

So werf ich nun nach alter Sitte

das Glas hinab in eure Mitte.

Des Glases Scherben, tritt da nicht rein,

sie sollen des Glückes Unterpfand sein.

Und du Glas zerschell am Grunde,

geweiht sei dieser Bau zur Stunde.

Richtfest

Weder Verzögerungen noch Schmuddelwetter konnten die Rögy-Schüler vom Feiern abhalten. Mit Musik und bunten Luftballons zeigten sie ihre Vorfreude auf die hochmoderne Sporthalle.