Rögy: Erster Preis für Facharbeit

Quelle: RGA online/Autor: Andreas Weber/Foto: Roland Keusch

Waren die Nazis nur unmenschliche Sadisten? Wurden sie kollektiv dem Stereotyp des Bösen gerecht? Marleen Heider und Marieke Mügge aus der Q2 des Röntgen-Gymnasiums ließ die Frage nicht los: Was steckte hinter der Fassade des Nationalsozialmus? Die Ergebnisse mündeten in einer preisgekrönten Facharbeit. „Von Mensch zu Mensch“ ist eine Erzählung in Anlehnung ihrer einwöchigen Kursfahrt zur Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald (Weimar).

Das 35-seitige Werk, eine Mischung aus Roman und historischen Fakten, zeichnete der Trägerverein Begegnungsstätte Alte Synagoge (Wuppertal) vergangenen Sonntag mit einem ersten Preis aus. Dessen Vorsitzende Antonia Dicken-Begrich würdigte die beiden 17-jährigen Gymnasiastinnen einerseits für ihren schriftstellerisch-künstlerischen Ansatz, wie für die fundierte Recherche.

Letztere leisteten Marleen Heider und Marieke Mügge im März dieses Jahres. Die 22 Kursteilnehmer besuchten mit ihren Lehrern Stefanie Pirags (Geschichte) und Alexander Gropper (Sozialwissenschaften) die KZ-Gedenkstätte in der Nähe von Weimar. Für die beiden war schnell klar, dass sie für ihre Projektarbeit keine nackten Biografien aufarbeiten. „Wir haben uns bewusst gegen reale Personen entschieden.“ Stattdessen mischen sie in ihrer fiktiven Darstellung konträre Perspektiven.

Marleen kehrte die Psyche eines Täters heraus, von August, dem SS-Hauptsturmführer, Marieke tauchte in die Rolle eines Opfers ein, von Bruno, dem Künstler und Widerstandskämpfer. Zwei Kindheitsfreunde, die das Leben trennte, aber im KZ Buchenwald wieder aufeinandertreffen ließ. Eine Geschichte ohne Happy End.

In Buchenwald verschwammen Grenzen zwischen Gut und Böse

Lange feilten die Mädchen in ihrem Nachwort an stimmigen Formulierungen. Sie schlussfolgerten, dass „es selbst an eindeutig erscheinenden Orten wie Buchenwald nicht nur Schwarz und Weiß gab, sondern so viele Graustufen, dass die Grenzen zwischen Hell und Dunkel, Gut und Böse kaum auszumachen sind“. Da ist der SS-Scherge, der außerhalb des Todeslagers ein liebender Familienvater ist, dort die Häftlinge, deren interne Hierarchien auch über das Überleben entscheiden konnten.

Zum zweiten Mal richtete das Rögy den Projektkurs „Verfolgungsgeschichte(n)“ aus. Er ist freiwillig, läuft über ein Schuljahr mit je zwei Wochenstunden. Voraussetzung ist die Teilnahme an einem Geschichts- oder Sowi-Kurs.

Höhepunkt sind die fünf Übernachtungen im Jugendgästehaus in Buchenwald. Für Matthias Gropper und Stefanie Pirags ist die Woche genau richtig. „Es geht nicht nur um emotionale Betroffenheit, die Schüler sollen die Prozesse verstehen, die ein KZ wie Buchenwald möglich gemacht haben. Dazu braucht man Zeit.“

Die Lehrer beobachten, dass das Erleben und die Erkenntnisse im einstigen Epi-Zentrum des Grauens Schüler nach der Rückkehr verändern. Marieke bestätigt: „Wir können uns nicht von der Geschichte distanzieren.“ Und Marleen ergänzt: „Um zu verhindern, dass so etwas Unfassbares wieder passiert, müssen wir begreifen, wie es zustande kam.“ Ihre Lehrer bewerteten das klug reflektierende und unter die Haut gehende „Von Mensch zu Mensch“ mit 15 Punkten – einer 1+. Von der Alten Synagoge erhielten die Rögy-Schülerinnen eine Urkunde, je 70 Euro und einen Buchpreis. In ihrem Abi-Zeugnis, das 2018 ansteht, wird das Engagement lobend erwähnt.

DIE FACHARBEIT

VERFÜGBARKEIT „Von Mensch zu Mensch“, 35 Seiten, steht gebunden in der Bibliothek des Rögys. Marieke Mügge und Marleen Heider stellen ihre Aufarbeitung Interessierten aber auch gerne als Leseexemplar zur Verfügung. Angefordert werden kann es unter Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Facharbeit KZ Buchenwald

Herausragende Facharbeit über das KZ Buchenwald: Marleen Heider (links) und Marieke Mügge.

© Roland Keusch