Black Diamonds & Kridt

Am vergangenen Freitag, dem 6. Oktober waren die Deutsch LK’s der Q1 zu Gast bei einer Vorstellung des dänischen Tanztheaters im Teo Otto Theater.

Für viele sicherlich als die erste Begegnung mit Tanz, erblickten wir in „Black Diamonds“, einem der zwei Stücke des Abends, eine futuristische, metallisch glänzende Wand auf der Bühne. Das Bühnenbild wirkt dimensional und ist in den Raum hinein geformt, das Licht wird unrationell reflektiert. Es wirkt mystisch als die Tänzer ihre erste Bewegung einleiten. Lediglich zwei stehen auf der Bühne.

Vor ihnen ein dritter auf dem Boden. Zusammengekauert, tot, am Schlafen. Durch den Saal hallen Töne, die fast schon ein wenig im Ohr schmerzen, industrielle Klänge, wenig Gefühl und stille Momente. Als die Musik an Vielfalt und Geschwindigkeit gewinnt füllt sich die Bühne und der Zuschauer findet sich zwischen rasanten Positionswechseln und abstrakten Bewegungen wieder. Auf der Bühne findet mehr statt als Sprünge, Drehungen und Schritte. Durchdachte Berührungen, Bodenarbeit und innovatives Schrittmaterial, kreiert von Tim Rushton, dem künstlerischen Leiter des „Dansk DanseTeater“. Die lumpig gekleideten Tänzer vermitteln dem Zuschauer emotionale Relationen. Diamanten sprechen für Oberflächliches, für Äußerlichkeiten und Statussymbole, das Tanztheaterstück zeigte allerdings viel mehr die Ecken und Kanten eines Diamanten, eben das was nicht gesagt, sondern getanzt werden muss. Ironischerweise bringt eine der Tänzerin plötzlich einen hellen leuchtenden Ball auf die Bühne. Von schwarzen Diamanten ist hier keine Spur. Als der Vorhang sich vor der entblößten Tänzerin, welche fast an der Bühnenkante steht und die Kugel betrachtet, schließt, bleiben viele Fragen offen.

Im zweiten Teil der Vorstellung war es „Zeit zu lieben, Zeit zu hassen“. Mit „Kridt" (Name des Stückes, übersetzt Kreide) schreibt eine der Tänzerinnen diese Worte an eine dunkle Tafel, welche sich über die gesamte Bühnenbreite erstreckt. Eine Tafel für Vergänglichkeit, Worte werden geschrieben, überschrieben und weggewischt. Was am Ende bleibt sind Eindrücke, Eindrücke von stimmigen Bewegungsabläufe, die Akteure scheinen nicht zu stoppen. Mit jedem Abgang von der Bühne kommt ein Aufgang. Rechts zieht ein Tänzer sein Oberteil aus, rechts eine Tänzerin ihr Kleid wieder an. Vor den Augen des Publikums spielt sich keine Routine ab, jedenfalls wirkt es nicht so. Bewegungen unterbrechen einander, Wege kreuzen sich, die Atmung hört man bis in den Zuschauerraum. Am Ende bleibt ein menschlicher Umriss an der schmierigen Tafel zurück. Sand strömt plötzlich von oben auf die Bühne. Hellorangenes Licht flutet den Tänzer, welcher inmitten des Lichtkegels steht. Er wird gehoben und unterwirft sich dem Sand und dem Licht. Schon zum zweiten Mal schließt sich der Vorhang und lässt einiges offen. Eine Opfergabe oder die große Erkenntnis?

Das dänische Tanztheater hat als „weltlichere“ Form des Tanztheaters à la Pina Bausch überzeugt und einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wenn auch nicht ohne einigen Interpretationsspielraum, welchen der Zuschauer füllt, oder eben nicht.

Luca Völkel